Registrierung als Professioneller Kunde: HowTo und Erfahrungen

Viele Trader würden gerne die Hebelbeschränkungen der ESMA entkommen, indem sie sich als Profesioneller Kunde registrieren. Wir erklären, worauf es ankommt.

Die ESMA hat die Maßnahmen zur Beschränkung des CFD-Handels erlassen, um damit unerfahrene Privatanleger zu schützen (wir berichteten). Institutionelle Trader und Finanzmarktprofis sind von den ESMA-Maßnahmen nicht betroffen. Die ESMA hat drei Kriterien definiert, damit sich Trader als professioneller Händer einstufen lassen und weiter die höheren Hebel nutzen können.

  • 1. Kunden können ein liquides Vermögen von mind. 500.000 Euro nachweisen. Der Nachweis erfolgt z.B. über Kontoauszüge.
  • 2. Kunden können Erfahrung in der Finanzbranche nachweisen und belegen, dass sie beruflich schon mit Hebelprodukten zu tun hatten.
  • 3. Kunden können eine hohe Handelsaktivität nachweisen, so z. B. in jedem der vergangenen 4 Quartale jeweils mindestens 10 Trades in ?signifikantem Umfang?.

Zwei dieser Bedingungen müssen zutreffen, um sich als Professioneller Trader klassifizieren zu lassen. Die letzten beiden Bedingungen sind allerdings etwas schwammig von der ESMA definiert und lassen Raum für Interpretationen.

Interpretation der Bedingungen

Am einfachsten ist es natürlich, wenn ein Bar-Vermögen von 500.000 ? nachgewiesen werden kann. Die meisten Privatanleger dürften an dieser Zahl aber scheitern. Schauen wir uns daher die anderen beiden Kriterien an.

Die wenigsten werden „berufliche“ Erfahrungen in der Finanzbranche haben. Allerdings scheinen die Broker diese Erfahrungen nach unseren Recherchen recht unterschiedlich auszulegen. So kann auch ein normaler Angestellter, der nebenbei einen Börsenblog oder ein SocialMedia-Account betreibt und dort andere Trader berät, berufliche Erfahrungen besitzen. Eine entsprechende Visitenkarte kann darüber hinaus helfen, dies glaubhaft zu vermitteln.

Bleibt noch die „signifikante“ Handelsaktivität, die nachgewiesen werden muss. Hier stellt sich die Frage, welcher Handelsumfang ist signifikant? Sind 2 DAX-CFDs, bei dem der Punkt 1 Euro bedeutet, signifikant? Immerhin wird ein Gegenwert von mehr als 20.000 ? mit den beiden DAX-CFDs bewegt. Oder ist ein Lot im Forex-Handel relevant? Hier liegt der bewegte Gegenwert bereits bei 100.000 ?.

Der Prozess sieht vor, dass die Kunden eine Selbstauskunft leisten, die Broker diese prüfen und anschließend an die Behörde ihres Firmensitzes weiterleiten. Ein deutscher Broker würde die Anträge also nicht an die ESMA zur Prüfung weiterleiten, sondern an die BaFin. Diese entscheidet dann über die Zulassung als Professioneller Trader.

Wie streng diese Unterlagen geprüft werden, darüber gibt es derzeit noch wenig Erfarhungsberichte. Hat von Euch schon jemand den Antrag auf Zulassung als Professioneller Trader eingereicht und kann von seinen Erfahrungen berichten?

Risiken der Einstufung als Professioneller Trader

Privatanleger sollten sich aber darüber im Klaren sein, dass sie sich mit einer erfolgreichen Zulassung neue Risiken ins Depot holen. Es gelten zwar nicht mehr die Hebelbeschränkungen, aber auf der anderen Seite ist damit auch das generelle Verbot der Nachschußpflicht obsolet. Die Verluste sind also nicht mehr auf das eingezahlte Kapital beschränkt, sondern können auch darüber hinaus gehen. An der Stelle sei nochmal an die Währungsturbulenzen im schweizer Franken erinnert, als die schweizer Nationalbank die feste Bindung an den Euro aufgehoben hatte. Hier hatten viele Anleger Geld nachschießen müssen (wir berichteten).

Auch stehen sich Privatanleger schlechter bei Streitigkeiten mit dem Broker. Bei professionellen Kunden kann nicht mehr auf den kostenlosen Ombudsman zurückgegriffen werden. Auch bei der Einlagensicherung gibt es Unterschiede. Normalerweise wird das Geld auf dem Verrechnungskonto auf segregierten Konten aufbewahrt. Der Broker hat im Insolvenzfall darauf keinen Zugriff. Dagegen muss das Kapital von professionellen Kunden nicht auf getrennten Konten gehalten werden. Es gibt daher ein zusätzliches Insolvenzrisiko.

Daher sollte man sich diesen Schritt sehr wohl überlegen – unabhängig davon, ob man die Bedingungen voll oder nur unzureichend erfüllt.

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