Mit Hebel 400 in die Privatinsolvenz: Negative Presse für CFD- und Forex-Broker

Forex Casino mit NachschusspflichtIn den letzten Tagen wurde in der Wirtschaftspresse nochmal das Thema “Franken-Freigabe durch die SNB” aufgegriffen. Thematisiert werden vor allen Dingen die Schicksale einzelner Anleger, die bei diesem Crash viel Geld verloren haben und sich sogar Nachschussverpflichtungen ausgesetzt sehen. Insgesamt wird dabei ein sehr negatives Bild auf die Branche der CFD-Broker geworfen. Wir wollen die Meldungen hier reflektieren.

Nachschusspflicht bricht Kunden das Genick

An den 15. Januar 2015 werden sich viele Marktteilnehmer nur ungern zurück erinnern. An diesem Tag gab die schweizerische Nationalbank (SNB) den Franken frei. Zuvor war der Wechselkurs des Franken über 3 Jahre lang fest an den Euro gebunden und lag bei 1,20 Franken für einen Euro. Als die SNB dann am Vormittag die Aufgabe dieser Politik bekanntgab, wertete der Franken massiv auf und der Wechselkurs rauschte in den Keller. Für einige Anleger war das dramatisch, denn diese hatten sich den Mechanismus der SNB über die Jahre genau angeschaut und bei Kursen von 1,19 Franken auf steigende Kurse gewettet. Da hier im Verhältnis zum Einsatz immer nur sehr kleine Gewinne zu verbuchen waren, haben diese Anleger auf hochgehebelte Instrumente gesetzt. In diesem Fall konnten sich dann mit einem Einsatz von beispielsweise 5.000 Euro schon mal ein Gewinn von 250 Euro einfahren lassen. Der Hebel führt dazu, dass bei einem Einsatz von 5.000 Euro mit 100 gehebelt, sich ein Volumen von 500.000 Euro ergibt, die am Devisenmarkt bewegt werden. Der Anleger hinterlegt die 5.000 Euro als Sicherheitsleistung (Margin) und der Broker gibt über den restlichen Betrag Kredit.

DAB Bank und angelsächsische Broker am Pranger

Die Wirtschaftswoche berichtet nun über einen Fall, bei der ein Kunde der DAB Bank 85.000 Euro verloren hat. Hier schieben sich nun der Abwicklungspartner der DAB Bank, die italienische Fineco (gehört zur UniCredit) und die Bank den schwarzen Peter zu. Im Falle der DAB Bank ist dies besonders brisant, weil diese kein Overnight-Trading anbietet. Bei Overnight-Positionen ist das Risiko, dass über Nacht etwas unvorhergesehenes passiert, ungleich größer. Wird das Halten einer gebelten Position über Nacht ausgeschlossen, reduziert sich das Risiko auf Meldungen, die am Tag hereinkommen. Da hier sämtliche Börsen geöffnet haben, kann in der Regel schnell reagiert werden und Positionen ohne große Verluste geschlossen werden. So zumindest die Theorie. Am 15. Januar hat dies anscheinend überhaupt nicht funktioniert. Da ändert es auch nichts, dass der Kunde hatte ein Stop-Limit bei ca. 1,1890 hinterlegt hatte. Seine Verkaufsorder kam erst bei 1,01 Franken zur Ausführung. Jetzt schuldet der Kunde der DAB Bank Geld über das wohl gerichtlich gestritten werden wird.

Nicht nur die DAB Bank steht in der deutschen Presse am Pranger, sondern auch die britischen Broker IG und CMC Markets sowie die dänische Saxo Bank. Die beiden letzteren, so lauten die Vorwürfe, haben Abrechnungskurse im Nachhinein angepasst. Selbst Anleger, die richtig gelegen haben, weil sie auf eine Aufwertung des Franken spekuliert haben, sind so in die Verlustzone gerutscht bzw. haben die angezeigten Gewinne wieder abgeben müssen.

Mit Hebel 400 in die Privatinsolvenz

Spiegel Online berichtet über einen besonders drastischen Fall, bei dem ein Kunde von IG mit 2.800 Euro Einsatz einen Verlust von 280.000 Euro aufgetürmt hat. Er hatte mit einem Hebel von 400 spekuliert. Auch er hatte einen Stop gesetzt, bei dem die Position verkauft werden sollte. Dem Kunden droht nun die Privatinsolvenz, wenn er sich nicht mit IG einigen kann.

IG versucht den Vorgang so zu erklären

Nach der SNB-Entscheidung hätten Banken sich zurückgezogen und keine An- und Verkaufskurse für Devisen mehr in die Systeme gestellt. Folge: Kurse, die “auf der Handelsplattform oder in den Charts angezeigt wurden”, seien “fehlerhaft, fiktiv und nicht legitim” gewesen. Versuche, die Banken zu kontaktieren, seien für “zehn Minuten erfolglos” geblieben. Erst Zug um Zug konnte IG die Aufträge seiner Kunden im Handel zwischen Banken ausführen. Auf dieser Basis hätte IG später einen Durchschnittskurs berechnet, der an alle Kunden weitergegeben worden sei.

Betroffene koordinieren sich auf w:o

Im Forum von wallstreet-online haben sich Betroffene in einem Thread zusammengefunden, um sich über die Vorgänge rund um den 15. Januar auszutauschen. Dabei sind etliche dabei, die gemeinsam um eine juristische Strategie gegen die Nachschussforderungen ringen. Hier werden Handelsdaten des Tages verglichen und ausgewertet. Der Thread hat bereits über 2.700 Beiträge. Das zeigt, wie stark das Thema die Gemüter immer noch aufwühlt.

Auch Anleger in Zertifikaten und Optionsscheinen sind betroffen

Abgesehen von Forex- und CFD-Tradern sind natürlich auch Anleger in strukturierten Proidukten wie OS und Zertifikaten sowie deren Emittenten von den Vorgängen am 15. Januar stark betroffen, sofern sie in EUR/CHF investiert waren. Auf finanzprodukt.ch gibt Christian König einen interessanten Einblick in die Kursstellung der Emittenten anhand eines Pay-off-Market-Indexes.

Fazit

Der 15. Januar hat zu ungeheueren Verwerfungen in der Szene geführt. Broker wie der amerikanische Riese FXCM mussten mit gehörigen Eigenkapitalspritzen vor dem Konkurs gerettet werden. Bei Alpari UK hat das schon nicht mehr funktioniert – der Devisenbroker musste Insolvenz anmelden. Viele andere Broker haben große Verluste in den Büchern und versuchen nun, einen Teil der Verluste bei ihren Kunden einzufordern. Da dies nicht geräuschlos ablaufen kann, dreht die (Wirtschafts-)presse nun ihre Scheinwerfer auf einige Fälle. Das wird einzelnen Brokern, aber auch der gesamten Branche schweren Schaden zufügen.

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