26. Februar 2013, 20:55

Was kommt im EUR/USD nach dem kleinen Sell-Off

Von Oliver Bossmann, Marktanalyst

 

Nach den Wahlen in Italien könnte als nächstes die Rede des US-Notenbankchefs Ben Bernanke am Dienstag Nachmittag zur Lage der Wirtschaft vor dem Bank-Komitee des US-Senats verstärkt im Fokus der Finanzmarktteilnehmer stehen. Die Achterbahnfahrt der Kurse gestern, die mit stärkeren Kursgewinnen aufgrund positiver Spekulation über einen Wahlsieg der Mitte-Links Parteien in Italien begann, mündete am Ende in einen kleinen Sell-Off an den Märkten. Nach den ersten seriösen Wahlergebnissen wurde deutlich, dass in Italien keine klaren Mehrheiten zustande gekommen sind und damit das Land momentan ?unregierbar? sei. Die Nervosität der Finanzmarktteilnehmer sprang infolge sofort an und die Sorgen einer Verschärfung der Eurokrise halten sich bislang im Markt.

 

Die Marktteilnehmer suchen nach den herben Kursverlusten und der sprunghaft angestiegenen Volatilität in DAX, Dow, EUR/USD und USD/JPY nach neuen Impulsen. Hier könnte der monatliche Bericht der Fed vor dem Bankausschuss des US-Senats ganz oben auf der Agenda stehen. Nachdem das Protokoll der letzten Fed-Sitzung offenbarte, dass die Diskrepanzen innerhalb des Fed-Komitees in Bezug auf die ultralockere Geldpolitik steigen, warten die Märkte nun gespannt, ob Ben Bernanke in seinem Bericht zur Lage der US-Wirtschaft Anzeichen für einen langsamen Rückzug aus dem aggressiven Anleihenkaufprogramm bzw. QE3 liefert. Die Bilanz der Notenbank ist mittlerweile auf über 3000 Milliarden US-Dollar angewachsen und die positiven Wirkungen dieser Maßnahmen für die Realwirtschaft bleiben umstritten. Es könnte angezweifelt werden, dass Ben Bernanke gerade jetzt, in dieser angespannten Lage an den Märkten, einen Rückzug aus QE3 thematisieren wird.

 

Die fundamentalen Daten der letzten Wochen zeigten, dass die Erholung der US-Wirtschaft auf schwachen Füßen steht. Damit könnte Ben Bernanke ein wichtiges Argument besitzen, um die aktuelle Geldpolitik vor dem Komitee plausibel zu verteidigen und eventuelle Inflationssorgen in den Hintergrund zu drängen. Das könnte infolge dem Kurs des EUR/USD wieder etwas Aufwind geben und zu einer Bodenbildung führen, nachdem das Währungspaar stärkeren Kursverlusten ausgesetzt war und mittlerweile die Marke bei 1,30 USD zur Disposition steht. Anfang Februar stand der Kurs des Währungspaares noch bei Kursen oberhalb von 1,37 USD und noch am Freitag vor der Berg- und Talfahrt nach der Italienwahl zwischen 1,3250 USD bis 1,3150 USD.

 

Sollten die Aussagen Ben Bernankes wider Erwarten Inflationssorgen der Fed in den Vordergrund heben, dann könnte der Sell-Off in DAX, Dow und EUR/USD eventuell unvermindert weitergehen. Denn die technische Situation im EUR/USD-Chart hat sich dramatisch verschlechtert. Der seit Mitte letzten Jahres intakte Aufwärtstrend des EUR/USD wurde gestern im ersten Anlauf nach unten verlassen und auch die 100-Tage-Linie, die momentan bei Niveaus um 1,3120 USD verläuft, wurde ohne weiteres unterschritten.

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