11. Juli 2013, 10:45

Gekko Global Markets – Praktiker

Am gestrigen Nachmittag deutete sich der Kurssturz bei der Baumarktkette Praktiker schon an. Die Aktie war auf ein neues Rekordtief gefallen. Dann berichtete das Handelsblatt am späten Abend, dass bei Praktiker wohl die Lichter ausgehen. Die Baumarktkette steht vor der Pleite. Neben dem Insolvenzgrund der Überschuldung sei auch die Zahlungsunfähigkeit der Praktiker AG gegeben, teilte die Baumarktkette am Mittwochabend in Hamburg mit. Die Aufsichtsräte des Unternehmens waren laut ortsansässiger Medien offenbar zuvor in Hamburg zu einem außerordentlichen Treffen zusammengekommen. Bei einer Telefonkonferenz mit Gläubigerbanken sollte es laut Handelsblatt dann darum gehen, dass die Institute noch einmal zweistellige Millionensummen ins Unternehmen investieren, das schon seit Jahren Verluste ausweist. Banken und Eigentümer speziell der maßgebliche Investor Semper Constantia aus Österreich waren aber wohl nicht bereit, noch einmal Geld zu investieren. Hamburger Medien melden, ein Praktiker-Sprecher habe eingeräumt, dass es bereits zu Engpässen in der Warenversorgung komme.

 

Praktiker II

Im ersten Halbjahr war Praktiker schon eine Kurskatastrophe in seinem Index. Was die Commerzbank für den DAX ist, ist Praktiker für den Small-Cap-Index SDAX. Um knapp 62 Prozent knickte die Notiz der Baumarktkette allein im laufenden Jahr ein. Das Minus von 98 Prozent mit Sicht auf fünf Jahre gleicht einer Enteignung. Ob die Gesellschaft den so häufig herbeigeredeten (und ?geschriebenen) Turnaround tatsächlich schaffen kann, war bis zuletzt offen. Nun sieht es nach dem Ende aus. Die zuletzt vom Marktbegleiter Hornbach ausgerufene Gewinnwarnung aufgrund des ungemütlichen Wetters in den Anfangsmonaten 2013 drückte jedenfalls noch einmal weiter auf die Stimmung. Vorbörslich liegt die Aktie deutlich unter 20 Cent, der Börsenwert ist damit unter 20 Millionen Euro gesunken.

 

Euro der große Gewinner

Wir hatten gestern davon geschrieben, dass um 20 Uhr mit dem FOMC-Sitzungsprotokoll noch einmal Schwung in den Markt kommen könnte. So war es dann auch und für den Euro war es der Rettungsanker. Er zog vom Tagestief weit nach oben bis über 1,30 Dollar, notiert jetzt bei 1,3079 ? was für ein Comeback innerhalb weniger Stunden. Der Grund dafür dass Devisenhandel so spannend sein kann liegt in der Zusicherung Ben Bernankes, dass eigentlich alles nicht so heiß gegessen wie gekocht wird. Mit anderen Worten, nur wenn die US-Wirtschaft zu 100 Prozent nach Wunsch wächst wird man defensiv. Vorher geht es ganz sanft zurück.

 

DAX über 8.100

Natürlich freuen das FOMC-Protokoll und die Reaktion der Wall Street auch den DAX. Er liegt bei 8.177 Punkten, greift seinen nächsten Widerstand an. Die Sommerrally scheint vor der Tür zu stehen, am Ölmarkt ist sie ohnehin ungebrochen. Die passend niedrigen Lagerbestände und eine Prognose nach Wunsch für 2014 in Sachen Nachfrage treiben WTI über 107 Dollar nach oben. Das spannende aber: Mit gut 108 Dollar bei Brent haben die Ölsorten ihren Spread nun fast pulverisiert. Zu einem Zeitpunkt an dem es niemand vermutet kosten die Sorten wieder nahezu gleich viel.

Sarah Brylewski
Disclaimer
Die oben erwähnten Markteinschätzungen und Inhalte spiegeln ausschließlich die Meinung des Autors wider und nicht die von Gekko Global Markets. Dieser Service ist ausschliesslich zu Informationszwecken bestimmt und stellt keine Beratung oder Investmentempfehlung dar.

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.