15. Februar 2013, 13:11

Euro unter Druck

Von Oliver Bossmann, Marktanalyst

Der Euro zeigte am Donnerstag Schwäche gegenüber wichtigen Währungen und markierte im Tagesverlauf gegenüber dem US-Dollar sein Kurstief bei 1,3315 USD. Allerdings konnte sich die Einheitswährung mittlerweile wieder etwas stabilisieren und erholte sich während der Asien-Sitzung deutlicher. Die Erholung führte den EUR/USD-Kurs zu Beginn der europäischen Sitzung wieder zurück bis zu der Marke bei 1,34 USD. Der Euro kam aufgrund schlechter europäischer BIP-Daten stärker unter Druck. Das Wachstum der Eurozone fiel im 4. Quartal mit -0,6 Prozent im Vergleich zum Vorquartal schlechter als erwartet aus. Die Konsensschätzungen lagen hier bei einem Rückgang von nur -0,4 Prozent. Damit befindet sich das BIP der Eurozone zum dritten Mal in Folge im Rückwärtsgang.

 

In den drei größten Volkswirtschaften der Eurozone schrumpfte das BIP ebenfalls stärker als erwartet. Deutschland sieht sich im 4. Quartal einem Rückgang der Wirtschaftsleistung von -0,6 Prozent im Vergleich zum Vorquartal gegenüber. Das französische BIP sank im gleichen Zeitraum um -0,3 Prozent und in Italien wurde ein Rückgang des BIPs um -0,9 Prozent verzeichnet. Dazu kam dann noch, dass auf der anderen Seite des Atlantiks die Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung nicht sehr gut ausfielen, auch wenn die Lesung etwas besser als erwartet war. In der vergangenen Woche beantragten in den USA 341.000 Arbeitnehmer Arbeitslosenunterstützung. Erwartet wurden hier 360.000 Anträge. In Reaktion auf die schlechten makroökonomischen Daten fielen vor allem die europäischen Aktienmärkte stärker. Der DAX30-Index unterschritt zeitweise die 7.600 Punkte Marke und konnte sich bislang nicht nachhaltig erholen.

 

Am Freitag stehen sowohl die Zahlen zur US-Industrieproduktion als auch der Index zum Konsumentenvertrauen der Universität Michigan auf der Agenda. Ebenfalls im Fokus der Märkte steht das G20 Treffen in Moskau. Hier treffen sich auch die Zentralbank-Gouverneure der G20 Staaten. Top Thema könnte der internationale Abwertungswettlauf sein. Man kann gespannt sein, welche Stellungnahmen zu diesem Thema verlautbart werden. Trotz der jüngsten Abwertung gegenüber wichtigen Währungen, wie z.B. dem US-Dollar oder dem japanischen Yen, könnte der Euro nach dem Treffen wieder an Stärke gewinnen, wenn keine klaren Stellungnahmen vom G20-Treffen zum Abwertungswettlauf kommen. Das könnte vor allem auf das primäre Mandat der EZB zurückgeführt werden, die vornehmlich für Preisstabilität zu sorgen hat. Dem gegenüber stehen entschlossene Notenbanken, wie etwa die Fed oder auch die Bank of Japan, die bewusst mehr Inflation in Kauf nehmen, um die eigene Volkswirtschaft zu unterstützen.

 

Auch wenn Mario Draghi mit verbalen Interventionen in der Vergangenheit gute Erfahrungen gemacht hat, so könnte es dieses Mal anders gelagert sein aufgrund der Entschlossenheit anderer wichtiger Notenbanken Geld zu drucken. Die Devisenmarktteilnehmer könnten die Entschlossenheit der EZB in diesem Punkt aufgrund der heterogenen Gemengelage innerhalb Europas anzweifeln. Das könnte eventuell für einen weiter starken Euro sprechen. Solange das weltwirtschaftliche Umfeld von niedrigen Wachstumsraten und niedriger Inflation gekennzeichnet ist, solange könnte der Euro keine nachhaltige Schwäche gegenüber US-Dollar und japanischem Yen entwickeln. Diese wäre vor allem für die südeuropäischen Länder so wichtig, um in der momentanen Misere wieder wettbewerbsfähiger zu werden. Auch von der charttechnischen Seite hat der EUR/USD-Kurs, aber auch der EUR/JPY, noch nicht den mittelfristigen Aufwärtstrendkanal verlassen.

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